Gedicht mit „fetzt“

Ich muss aufs Fahrrad. Jetzt.
Denn Fahrradfahren fetzt.
Ich rase um die Ecke.
Da guckste, oder, Schnecke?

Ich schnaufe durch den Tann
und komme niemals an.
Ich mache hundert Meilen
mit Treten, Bolzen, Keilen.

Ich habe keinen Blick
für rosa Lycra-Chic.
Ich schmiere von der Kette
ans Bein mir schwarze Fette.

Ich biege ins Karree.
Mir tut die Wade weh.
Ich leg mich in die Wanne
und leere eine Kanne

Kamillentee.

Nee.

Dem Diplomingenieur

Ich war erneut zu einem Diplomingenieur gebeten worden, um wiederholt meine Dokumente prüfen und sicher deponieren zu lassen. Bevor ich mich wie üblich in dieser Angelegenheit vom Diplomingenieur aufgrund der miserablen typographischen Qualität der Schriftstücke, der schlampig zusammengehauenen Diagramme und lückenhaft dargelegten Argumentationen aufs widerlichste beschimpfen lassen musste, atmete ich tief durch, hob die Augen zur Flurdecke und nahm zum ersten Mal die Sicherheitseinrichtungen wahr, die der Diplomingenieur extra für die zu hortenden Dokumente hatte installieren lassen. Ein Seufzer der Erleichterung entfuhr mir: So schlimm können sie also doch nicht sein, meine Dokumente, wenn ein derartiger Aufwand zu ihrem Schutz betrieben wurde.

Beschwingt klopfte ich an, trat hüpfend ein, warf den Ordner auf den Tisch und gab ein fröhliches „Mahlzeit“ zum Besten, bevor die Brüllerei losging.

Von den Panzerartigen

Inspiriert von der Betrachtung mehrerer Weltkriegsfilme, zu der ihn seine Mitbewohnerinnen genötigt hatten, versuchte der Problembär wie einst Die vier Panzersoldaten (und ein Hund) verschiedene panzerartige Haushaltgegenstände zu besteigen, wobei sich jedoch stets die Luke als zu wenig umfangreich erwies.

Das Anzetteln eines Krieges um die zur Neige gehenden Vorräte in den Kühlschränken und im Keller musste also vorerst unterbleiben.

Zum Kindertag

Wenn man trödelt nur ein bisschen,
sind die Kinder groß.
Lagen grad noch auf der Wiese,
saßen auf dem Schoß.

Knospen steckten in den Bäumen:
Kind wog nichts im Arm.
Stößt dich lachend übern Haufen,
seit es draußen warm.

Durch die trocknen Sommerblätter
zieht ein lauer Wind.
Wirf dich in die kalten Fluten.
Bleib dir selbst das Kind.

Der Liebestrank

Dies ist der Liebsten Tag!
Ich gäb das letzte Hemd
und was sie sonst noch mag,
wenn sie die Arme stemmt

und mich von oben schwer
mit diesem Blick bedenkt.
Kuck, was dein lieber Bär
dir zum Gebrauche schenkt:

Ich fand in meinem Spind
Likörchen, trüb und gold.
Ach bitte, liebes Kind,
sei mir für immer hold!

Ach bitte, liebste Frau,
sei meines Glückes Pfand
mit Feile und Radau,
mit Schmieche und Verstand

allhier in meiner Kammer.
Wenn nicht: Es wär ein Jammer!

Aufwärts

Aufwärts geht der Weg
durch das Treppenhaus.
Chefetage kuckt
zur Terrasse raus.

Die Hostess reicht Keks,
Waffel und Kaffee.
Der Betriebsrat sauft
Rum zum schwarzen Tee.

Angestrengt wird dort
Zukunft vorgeplant,
für die mir am Tor
durchaus Übles schwant.

Alle fahrn auf Sicht,
Brille nicht geputzt.
Für die Klinke wird
Deospray benutzt.

Draußen schwillt der Chor
der Zufriedenheit
über kluge Sicht
auf das eigne Leid.

Zarin rauft das Haar,
hinterm Vorhang knallts.
Rabe lacht im Baum.
Ich nehm Glaubersalz.

Lob der Nachbarschaft

Nur eine kleine Strecke
zur schönsten runden Ecke
der Stadt.

Du nimmst ne Zigarette,
wir husten um die Wette.
Es hat

so lang nun schon gedauert,
wir sind im Haus versauert
beinah.

Ich ende meine Schritte.
Du bist, so ist die Sitte,
gleich da.

Schnell eine Runde Schmusen,
dann küssen uns die Musen
aufs Haupt.

Und weils heut grad so scheen is,
is jedem noch ein Kleenis
erlaupt.

Wohlsein!

Leicht versauter Dialog

raucherin

Alter Film. Schwarzweiße Damen,
die mit langen Hälsen kamen
ins Café. Die Zigarette
nach der wilden Nacht im Bette

stilvoll zwischen roten Nägeln.
Boote fern mit weißen Segeln.
Schampus perlt an vollen Lippen.
„Ham die damals auch die Kippen

wie die Sau nur breitgeschmissen?“
„Warum willst du denn das wissen?“
„Ach, nur so. Hast du noch Glut?“
„Bitte, hier.“ – „Dann ist’s ja gut.“