Schnatterschnatter (historische Begebenheit)

silo
Sehenswürdigkeit auf dem Weg in die Kreisstadt

Karl Gong, dem von seiner Unangetrauten für einen Abend freigegeben worden war, weil sie ihren für die Hipposecco-Sause eingeladenen Freundinnen seinen jämmerlichen Anblick ersparen wollte, stieg aus dem zerschlissenen und verdreckten Arbeitsoverall, wusch sich in der alten Pferdetränke, die mittlerweile für ihn reserviert war, zog die von der Holden auf die Stalltreppe gelegten Textilien über, die hässlich genug waren, dass er „nicht irgendeine Schlampe abschleppen“ würde und begab sich, mit genau abgezähltem Taschengeld (der Eintritt für „die Hottentottenmusik“ und zwei Münzen für eine kleine Limonade) versehen auf dem rostigen Fahrrad in den kleinen Klub der Kreisstadt, der es einmal im Quartal gegen den erbitterten Widerstand der “konservativen” Stadtratsfraktionen wagte, sauer verdiente Steuergelder für die Verköstigung einer kleinen Musikkapelle (Honorare wurden schon lange nicht mehr gezahlt) auszugeben, um all diejenigen Bewohner des Landstrichs, deren Ohren noch nicht völlig vom kommerziellen Rundfunk der Fäulnis anheimgegeben waren, mit ein wenig Freude über die saure Zeit des ländlichen Abends zu bringen.

Jedoch, als er so inmitten der zwanzig Aufrechten dem wunderbaren Klang der famosen ausländischen Band lauschte, erreichten immer wieder getuschelte, gewisperte, geschnatterte und in dynamischen Passagen gebrüllte Wortfetzen sein rechtes Ohr, die sich in seinem Kopf zu einer permanenten Kakophonie des Grauens ballten, hervorgerufen nicht, wie er erst glaubte, von seinem Unterbewussten, das den Damenkreis der Holden auf der Reitanlage imaginierte, nein, von zwei Konzertbesucherinnen, die weit genug von ihm standen, dass er sie nicht verbal oder handgreiflich zur Verantwortung ziehen konnte; ihm blieb nur genervtes Grimassieren, Schweißausbruch, Herzrasen, in die Gedärme gefressene Empörung und vorzeitige Flucht, begleitet von den mitleidigen Blicken der Umstehenden, auf die Straße, aufs Fahrrad, dem von “konservativen” Aktivisten die Luft aus den Reifen gelassen worden war, ratternd auf der Felge über die Hügel bis zur von der Unangetrauten nachlässig verschlossenen Haustür, die er aufbrach, um sich im Keller illegal an ihren Seccovorräten, denn durch den Verzehr der klebrigen Limonade hatte er einen erheblichen Durst entwickelt, aber natürlich keine Finanzen mehr zur Verfügung gehabt, in einer Art und Weise zu bedienen, dass er erst nach zwei Tagen vom Kommissar der Kreisstadt auf dem Kellerboden liegend gefunden wurde, denn die Holde hatte eine solche Frechheit Ihres Mannes trotz ihrer schlechten Meinung von ihm nicht für möglich gehalten.

Eis, Baby

torgitter

Der wegen des überharten Winters mit seinen Eisregenexzessen, Schneekapriolen und den ganzen anderen arktischen Sauereien gesperrte Aufgang zum Aussichtsturm (Rutschgefahr) bleibt laut Auskunft der Behörden bis zu den Eisheiligen geschlossen, um das Ärgste (Sturztode) zu verhindern (wegen “Eis”).

Problembärs verwirrtes Frühlingsgedicht

april

Ach, ich kann es kaum erwarten,
endlich den April zu starten!
Voller Druck auf Rasensprenger!
Horch, die Finsterwalder Sänger
singen hell von gelben Kutschen,
während ihre Hosen rutschen
und die Krägen knallend springen.
Röhren, Summen, Brüllen, Klingen!
Sengend fährt die Sonne nieder
bis zum Herbst. Es brennt der Flieder.

Nacht

nachtbrunnen

Hohe Häuser, tiefe Bronnen.
Zeit ist still zu Stein geronnen.
Wasser schwappert aus den Eimern.
Tag getaktet von den Timern
meines klugen Telefons,
das nichts weiß von dem Aktions-
und Kontaktkomplettverbot.
Ich steh vor der Ampel rot.

Armageddon

armageddon
Der Blick aus dem Fenster

Nach dem erzwungenen nächtlichen Genuss der frei Haus gelieferten Katastrophenfilme (den Tag hatte ich verschlafen, um nicht von Klopapier schleppenden oder nach Klopapier gierenden Menschen niedergerannt zu werden), traute ich mich kaum, die Vorhänge vom Fenster zu ziehen, schlief also den zweiten Tag durch, erwachte vom Getöse eines weiteren Weltuntergangs im Fernsehgerät, linste, es muss gegen Sonnenuntergang gewesen sein, aus dem Fenster und kroch kurz aufschreiend und schießlich wimmernd unter die Bettdecke, während Bruce Willis sein Bestes gab.

Tödliche Gefahren der Sommerzeit

sommerzeit

Während das Greinen der an sich selbst empfindsamen Bevölkerung über die Mühsal und Zumutung der Sommerzeit für den neutralen Beobachter kaum nachzuvollziehen ist, birgt der Umstellungsvorgang zum Beispiel für den kleinen Herrn Schönleben erhebliche, sogar tödlich zu nennende Gefahren aufgrund der in großer Höhe angebrachten Uhren in seinem Umstellungsverantwortungsbereich. Hoffen wir, dass auch diesmal wieder alles gut geht.

Das schlampige Sonett zur Lage

corinna

Stell dir vor, das Virus wäre
wie ein Luftballon.
Trudelt durch die Atmosphäre
bis aufs Scheselong,

wo wir sitzen, und wir fangen
es uns fröhlich ein.
Hustend röten sich die Wangen!
Virus, dummes Schwein!

Nimm die Nadel,
liebes Madel,
stichel, pfuff, ein Loch!

Dann ins Ladel.
Handwaschbadel!
Danke: Robert Koch.

It’s Fashion

klopapier
Glück, dein Name sei Klopapier!

Karl Gong, der in den milden Wintermonaten ohn Unterlass und Radio, vom Fernsehen ganz zu schweigen, im Auftrag der Unangetrauten an den neuen, lichtdurchfluteten Stallungen für die Leasinggäule gearbeitet hatte, während er im abgedunkelten Kartoffelkeller seine Mahlzeiten zu sich nahm, um nicht auch noch in den Pausen mit Arbeitsaufgaben behelligt zu werden, durfte an einem kühlen Tag im März die Kreisstadt aufsuchen, um einen ihm von der Holden am Valentinstag überreichten Videotheken-Gutschein einzulösen, der auf den Film “Der Pferdeflüsterer” ausgestellt war, Umtausch gegen andere Werke ausgeschlossen; jedoch, als er vor verschlossener Tür stand, an die ein Zettel “Aus den bekannten Gründen geschlossen” mit drei Ausrufezeichen gepinnt war, sah er sich genötigt, seinen Plan zielgerichteter Aktivität zu korrigieren, er musste improvisieren und sah sich im Straßenraum um, der angenehm unbevölkert war, abgesehen von seltsam auseinandergezogenen Menschenketten, die vor Drogerien anstanden, und von Personen mittleren und höheren Alters, die mit beseeltem Gesichtsausdruck Klopapiergroßpackungen mit sich führten, der neue Chic der Kreisstadt offensichtlich: Hatte man früher Kinder oder Hunde oder Telefone mitgeführt und hergezeigt, war es nun Klopapier, eine an sich positive Entwicklung, handelte es sich doch um ein Accessoire, das sich jeder leisten konnte, das die Menschen egalitär verband und offensichtlich außerordentlich beglückte.

Karl Gong, dem mittlerweile aufgegangen war, dass die modisch behängten Menschen der Drogerie entströmten, reihte sich freudig ein, wartete geduldig auf seine Ration, zahlte mit hochgezogenen Augenbrauen und warf schließlich fröhlich in Erwartung einer anerkennenden Kopfnuss der Liebsten die zwei XXXL-Packungen in den Saporoshez, um den aktuellen Fashiontrend hinaus aufs Land zu tragen.

Der Knall

jawa

Da war ein Knall
wie Donnerhall
so in der dritten Stunde.
Ich hab ihn selbst zwar nicht gehört,
er hätte mich auch nicht gestört,
jedoch vernahm die Kunde
ich von den Freunden und Verwandten,
die wie die Salzgewächse standen
im ausklingenden Grollen
und Rumpeln, Beben, Rollen.

Was war das jetzt?
So hingefetzt
und ohne jede Warnung?
War es die Bombe von Herrn Trump
oder die Popband mit dem Amp?
Wir brauchen wieder Tarnung,
wenn jeder knallt mit den Granaten,
die kleinen und die großen Staaten!
Wir sind zu leichte Beute
für die gefräßche Meute.

So sind wir alle sehr erschreckt,
über die Maßen aufgeweckt
und glauben nicht daran:
Es war Grünhildes Mann,

der rücklings aus dem Sessel plauzte
und ein paar Stunden kläglich mauzte.

So geht es nicht weiter

insekten

Wegen der viral influencten Einschränkung der Reisetätigkeit hat der Problembär als Inhaber eines sowieso nicht florierenden Hotelfachbetriebs die Politik aufgefordert, unverzüglich für Kompensation (zum Beispiel Honig oder Honigprodukte) zu sorgen, ansonsten werde man (er) den Aufstand proben und (zutreffendes hier eintragen).

Verblüffte Feststellung

verboten

Alles wird ega verboten
von den Grünen, von den Roten.
Nur die Schwarzen, glaubst du nie,
sind noch für die Anarchie.

Schnitzel fressen, Vollgas geben,
Schuld vergessen, Sesselkleben,
Welt vergiften, Kohle feuern,
Kriege stiften, keine Steuern,
Brüllen, Saufen, Huren, schnief:
Ich bin wertkonservativ.

Gut gesagt, gern gesagt

Solange in den Führerständen von Straßenbahnen rücksichtslose Arschlöcher sitzen, die heraneilenden Fahrgästen die Tür vor der Nase zuknallen und kackfrech davonfahren, sollte dem Öffentlichen Personennahverkehr nicht allzuviel Bedeutung beigemessen werden.

Aus dem Wirtschaftsleben

jagd
Guck, ich bin Geschäfteführer,
Großer Im-Getriebe-Rührer,
Überflieger,
Alleskrieger.
Fünfundzwanzig eingebracht,
mach ich, bis die Bude kracht,
endlos Schaden,
fahr den Laden
an die Wand
ganz elegant.
Alle, die mir anbefohlen,
solln sich dicke Beulen holen,
fein verraten und verkauft,
mir egal, die Sache lauft,
und ich blähe das Gefieder,
quatsche alle haltlos nieder
und begründe morgen schon
einen neuen Firmenklon.
usw. usf.