Der Kaffee zum Tagesbeginn

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Am Kühlschranks mit Löffel

Als der kleine Herr Schönleben morgens die Küche betrat, stieg ihm der unwiderstehliche Duft frisch aufgebrühten Kaffees in die Nase. Hastig trank er, obwohl heiß, die Tasse in einem Schluck aus und fühlte sich sehr männlich und unbesiegbar. Nur schwer konnte er der Versuchung widerstehen, sich auch noch einen Zigarillo anzuzünden, um dem verlockenden Exzess weitere Nahrung zu geben. So schob er nur einen Stuhl an den Kühlschrank heran, den er, mit einem Löffel bewaffnet, erklomm, um eine große Schale Marmelade rückstandsfrei auszulöffeln. Dann warf er die Kühlschranktür zu, zerrte den Stuhl wieder scharrend an den Tisch und widmete sich seiner Tätigkeit im schöpferischen Marketing, um die Sippe zu ernähren und die Welt schlimmer zu machen.

Niemals zum Lfulg

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“Nein!” rief Karl Gong panisch. “Ich will nicht hin zum Lfulg! Niemals!”

“Du kommst jetzt. Bitte!” sprach die Holde mit gespieltem Oberlausitzer Akzent, obwohl gar kein R bzw. r im Satz vorkam. “Wirds bald?”

Karl Gong konnte sich ein mit verstohlenem Seitenblick geflüstertes “Wirds haus” nicht verkneifen, er kam sich vor wie ein Zweitklässler, der an den Ohren durch die Klasse zum Direktor geführt wird. Nun musste er wohl oder übel hin zum Lfulg, die Straßen waren grau wie der Himmel, nie wieder würde die Sonne auf ihn scheinen, schließlich war sowieso das helle Licht auf Jahre hinaus aufgebraucht durch die beiden letzten Sommer, er würde im Lfulg eingeschlossen werden und verrotten und die Holde hätte endlich Ruhe vor ihm.

“Von was für einem Lfulg redest du denn überhaupt die ganze Zeit?” fragte ihn die Holde, als sie ihn endlich mit Gewalt über die Schwelle des Heimatmuseums gezerrt hatte, und Karl Gong, der endlich die angstvoll zusammengepressten Augen öffnete, entspannte sich, eilte zu dem ausgestopften Uhu und streichelte ihm ganz sacht über die Federn, die aussahen und sich anfühlten wie sein alter Hirschbeutel von 1982.

“Ach, nichts”, flüsterte Karl Gong, ließ sich von der Holden die heimischen Gesteinsschichten aufsagen, die Milchproduktionszahlen herbeten und das lichte Haupthaar streicheln. Ein harmonischer Feierabend nahm seinen Lauf.

Die Sippe bleibt verschwunden

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In der City am Fenster

Das Gedächtnis des kleinen Herrn Schönleben ließ seit einiger Zeit zu wünschen übrig. Nicht genug damit, dass er ständig Dinge verlegte, wie zum Beispiel den Flaschenöffner, und stundenlang missmutig das verschlossene Feierabendbier anstarrte. Neuerdings wurde er auch von der Vermutung geplagt, dass er irgendwann ein größeres Grundstück erworben und darauf ein ansehnliches Haus für sich und seine Sippe errichtet haben müsse. Allerdings konnte er sich überhaupt nicht an die Adresse dieses Anwesens erinnern, und die Sippe konnte er nicht befragen, denn sie war seit Wochen verschwunden. Immerhin kam ihm die Wohnung, aus der er durch das Fenster auf die Straße blickte, bekannt vor, und er winkte den Menschen, die unten vorbeiliefen, freundlich zu.

An der Schranke

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An der Schranke Wartezeit.
Über dir Alarm.
Wolkenwasser kommt von weit.
Treten hielte warm.

Nasse Hose, nasse Schuh.
Triebzug schnarcht vorbei.
Doch die Sperre bleibt noch zu.
Heute kommen zwei.

Viertelstunde. Kurbel. Seil.
Winkend übers Gleis.
Fahrradwandern ist schon geil.
Schutzblech? Nasser Steiß.

Die Cloud ist aus deinem Leben nicht mehr wegzudenken, und sie ist real

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Cloud (Beispielfoto)

Das erläuterte uns ein Experte in Sachen Cloudsachen (gibt es!), und noch viel mehr. Er ist der Meinung, man kann auch alles Mögliche in die Cloud hochladen, und auch runter.

Das solltest du einmal probieren. Lade einfach Sachen in die Cloud, die du nicht mehr haben willst, die dich nerven, oder die sinnlos rumstehen, wie zum Beispiel deine Kumpels am Freitagabend (Scherz). Du kannst sie später alle wieder runterladen, aber du kannst das auch lassen.

Das ist das Geile an der Cloud, wenn wir den Experten richtig verstanden haben, was schwer war.

Jedenfalls gibt es einen Knopf „Cloud“ an deinem Smartphone (geil), da drückst du drauf, dann stimmst du allem zu, was dein Smartphone dich fragt, und schon kann es losgehen.

So einfach hatten es deine Eltern nicht, aber denen geschieht das auch ganz recht.

Hi five! Check the cloud, folks.

Ein Beitrag der feschen Lipsigrad-Jugendredaktion

Am Bärengraben

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Karl Gong, dem die Dummheit und das Geschrei einiger seiner Mitbürger zunehmend die Tage schwärzten, verlegte sich darauf, statt des Wirtshauses häufiger den über kleine Umwege erreichbaren Bärengraben aufzusuchen, um Ruhe und Entspannung zu finden, denn die Bären, so schien ihm, wussten zu leben, zwar auf relativ beengtem Raum, unter Aufsicht und mit streng zugeteilter Nahrung, aber sie gingen sich aus dem Weg, wenn es nicht gerade etwas dringendes auszumachen gab, lagen friedvoll auf dem Bauch und blinzelten den Bienen nach, von deren Honig sie nichts wussten, und die es hier, in der mittelgroßen Stadt zwischen den herbstlich kahlen Feldern, gar nicht geben dürfte, und erst das Telefon, das die Holde ihm verboten hatte stummzustellen, holte ihn knarrend und trompetend in den misslichen Alltag zurück, der sich sogleich wie ein Popanz über ihm blähte und ihn, Gong, den bemitleidenswerten, anschnarrte, was aus dem Konsum zu besorgen sei: Brot, Käse, Wurst, Butter, Radler (wieso Radler?), Öl zum Braten, Hackfleisch, Küchenpapier, Zahnpasta; und mitten in dieser Aufzählung des Schreckens brachen die Langeweile und die Trostlosigkeit seines Lebens endgültig in Karl Gongs Gedärme hinein, füllten sie aus wie Teer die Lunge des Rauchers, und endlich, die Liste war zu Ende und bereits zur Hälfte wieder von ihm vergessen, kam er japsend zum Luftholen, wie ein herumgewirbelter Ertrinkender, der zufällig wieder über die Wasseroberfläche geraten war.

„Und Honig?“ fragte Karl Gong tonlos. „Was ist mit Honig?“

„Was willst du denn mit Honig?“ versetzte die Holde. „Honig ist noch.“

These boots were made for jumping

rocknroll

Grad hab ich noch gerochen
das feine Fett auf Leder.
Da wende ich die Treter:
Die Sohle ist gebrochen.

Ich biege mich vor Schmerzen,
Flor schiebt sich vor die Sonne.
Werf in die Restmülltonne
die Schuhe meiner Herzen.

Sie sind nicht mehr zu retten.
Ade, ade, wir scheiden.
Nun muss ich barfuß reiten
und meine Füße fetten.

Seine Hoheit Spricht

hoheit

Es war einmal ein Land,
von dem war ich der Kaiser.
Da kam das Volk gerannt
und meinte, es sei weiser.

Ich hab zwar meinen Stolz
und liebe das Regieren.
Doch hack ich lieber Holz
und widme mich den Bieren,

die abends vor mir stehn,
als jemanden zu knechten.
Die Macht soll von mir gehn
und krönen die Gerechten.

Doch weil ein jeder fehlt,
mal wenig und mal schlimmer,
sei ständig neu gewählt,
sei keine Macht für immer.

Und reißt wer auf das Maul,
er wär der neue Führer,
dann sind wir gar nicht faul
und schneiden ihm den Rührer

ab.

Energiewende in den Kiefernbeeten

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Windrad-Errichtung in den Kiefernbeeten (Vorschaubild)

Der Fön hatte wieder einmal die Hauselektrik lahmgelegt. Mit bösem Schnaufen baute sich die Holde zwischen Karl Gong und dem erkaltenden Fernseher (Röhre) auf.

“Wir wollen in einer Stunde zur Oper hin”, erläuterte sie das Problem gewohnt sachlich. “Unternimm was.”

Seufzend griff Karl Gong nach dem Mobiltelefon. Das funktionierte ja noch. Er rief Klempner Patzschke in der Rhön an und bestellte ein Windrad.

“Ja, Herr Patzschke, hinten in den Kiefernbeeten. Sie wissen ja. Da ist rechts der Schuttberg. Aber das Windrad ist doch so hoch, dass die Thermik nicht gestört wird. Oder? Klar.”

Gong legte zufrieden auf: “Gleich morgen bekommen wir ein Windrad für den Fön, Liebste.”

“Morgen ist die Oper vorbei”, schmollte die Holde. “Tu was.”

Knarrend erhob sich Karl Gong vom Sofa. Er plazierte sich vor dem Sicherungskasten und drückte die Fönsicherung nach oben. Immer wieder, bis die Haare der Holden getrocknet waren.

Ab morgen würde die Welt wieder komfortabler sein.