Zwischen den Arbeitstagen

Ich glaub, die Stadt heißt „Halle“.
Und „Halle“ lieben alle.
Spazierend zwischen Türmen,
in Sonne, Regen, Stürmen

und hopsend auf der Brücke
genieße ich die Lücke
des Sonntags: Muss nichts machen.
Darf über „Halle“ lachen.

Neu bei Nitzsche

Der sehr verehrten Kundschaft zur Kenntnis hiermit die Information dass der Getränkemarkt A. Nitzsche in Machern (man muss nur machern) gegenwärtig in einem Zustand des Frühlingsputzes befindlich ist. Fortgesetzte Disziplinlosigkeiten beim Führen des Gabelstaplers durch den Hofterroristenarbeiter (Problembär) haben an einigen der Leerguthallen irreparable Schäden hinterlassen die einen Subbotnik notwendig erscheinen lassen (Samstag 05:00-23:15 Uhr). Jeder darf mitmachen 1 Getränk pro Stunde frei (keine Liköre). Bauschuttmitnahme gestattet (Gartenverschönerung). Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Aus dem Leben eines Elektrobastlers

Welch ein Glücksgefühl breitete sich in Karl Gong aus, als er drei in den entfernten Ecken seiner Liegenschaft vergessene, kaputte Lampen zu einer neuen, funktionierenden vereint hatte, eine kreative, nachhaltige Pioniertat, für die sicher bereits ein modernes, ausländisches Wort existierte, irgendwas mit „-grading“, krummgrading vielleicht, hohoho,  jedoch das Glücksgefühl erlosch, bevor die Lampe entzündet wurde, denn die holde Unangetraute verwies ihn des Wohnzimmers mit der Bemerkung, dass, wenn er auf dem Plazieren des Ungetüms bestehen sollte, er sich gleich noch eine neue Frau basteln könne (aus dreien, die er in irgendwelchen dunklen Ecken des großzügigen Grundstücks sicher auftreiben würde).

Das wird ein guter Tag

Guten Morgen, Vollmatrose,
steig in deine Gummihose,
auf die kalte Nase Puder
und dann greife dir das Ruder.

Auf dem See gehts weit ins Freie.
Für das Mahl bestellt sind Schleie.
Weit nach Lee ein letzter Schneuzer.
Volle Kraft im Panzerkreuzer!

Das schlampige Sonett von der Gartenfrau

Da steht die Frau im Garten
in blauer Arbeitskluft.
Ich muss wohl länger warten
auf ihrer Nähe Duft.

Sie schwingt den Presslufthammer.
Der Boden wie Beton.
Geflohen ist die Ammer
vorm lauten Plong Plong Plong.

Die Frau lässt sich nicht stören.
Sie kann mich wohl nicht hören:
„Komm her, ich schmacht nach dir!“

Die Sonne kocht den Bregen.
Wann kommt denn endlich Regen
und spült die Frau zu mir?

Von den Nitraten

Karl Gong, dem von der Unangetrauten immer wieder die schwierige Qualität der auf dem Grundstück befindlichen Ackergebiete unter die Nase gerieben wurde, entschloss sich eines Tages zu einem Rundumschlag und bestellte bei Müller-Wernfried von der Agrargenossenschaft unter Überreichung eines Gebindes Premium-Pilsner die Behandlung der fraglichen Flächen mit Gülle, eine Bitte, der jener mit Freuden nachkam, hatte er doch bereits Schwierigkeiten, das „Gold des Kuhstalles“ auf seinen eigenen Feldern unterzubringen, die er auch nicht einfach durch Pacht oder Zukauf erweitern konnte, nicht zuletzt des Expansionsdranges der Holden Karl Gongs wegen, welche sich zwar ob der eingesetzten Technik durchaus beeindruckt gab, jedoch noch mehrere Wochen später mit übertrieben schnuppernder Nase ihrem Missfallen über die vermeintliche Geruchsbelästigung Ausdruck zu geben versuchte.

Foto: Pauli Pictures

Zum Gedenken

Der Reichstag ist das nicht.
Und keine rote Fahne.
Es ist nur ein Gericht
von allererster Sahne

für den Verwaltungskram,
der nach der letzten Wende
über die Zone kam.
Ich grüße und beende.

Neu bei Nitzsche

Den werten Mitarbeitern hiermit zur Kenntnis von Chef A. Nitzsche Getränkehändler in Machern (man muss nur machern) und zur wohlfeilen Mahnung und Abschreckung Wirtschaft ist kein Selbstläufer jeder Bedienstete Meiner Einrichtung hat sein Bestes darzubieten in Aufopferung und Subordination sonst droht düstere geschäftliche Perspektive wie die auf dem Lichtbild dargestellte. Diese Erinnerung insbesondere gerichtet an Problembär Hofarbeiter aus Anlass der wiederholt unaufmerksamen Bedienung des Stapelgerätes mit einhergehendem Einsturz der Gebindepyramide in Halle 42 (links hinten Ich sehe alles) sowie an Marketing die wieder mit gelbem Filzstift auf weißem Papier gemalt hat wer soll das lesen können? Ende der Durchsage. Nitzsche, Chef

Lichtbild: Pauli Pictures

Vom Schneehasen

Schneehase im Lauf

Nach dem langen und harten Winter, in dem wir den Schneehasen (Lepus tinnitus) in unserem Land als gern gesehenen Gast willkommen hießen, bricht nun für den lustigen, an tiefe Temperaturen gewöhnten Gesellen eine harte Zeit an. Der Schnee ist geschmolzen, und auch die Kühllandschaften in den Supermärkten stellen als Lebensraum keine wirkliche Alternative dar. Glücklich also, wer sich rechtzeitig auf den Weg gemacht hat und vom Nordkap, aus Kamtschatka oder Patagonien verspätete Ostergrüße senden kann (bitte ausreichend frankieren). Gern begrüßen wir die freundliche Spezies wieder im September an den Sammelstellen, wenn der erste Eishauch des nahenden Winters unsere erschrockenen Ohren trifft und die Blicke der Passanten gefrieren lässt.