Dramatik pur!

amsee1

Wenn selbst namhafte Wahlverweigerer dazu aufrufen, nun mal doch eben den beschwerlichen Weg zur Urne anzutreten, damit nicht alles noch schlimmer wird, als es bisher schon ist, dann sollte man diesem auch Folge leisten. Ausreden wie “Biergarten”, “Oktoberfest”, “Demo” oder “Sex” zählen nicht, denn das Abendland ist ECHT in Gefahr.

Das Beispielfoto zeigt zum Beweis: GOtt (Auge, dreieckig), weinend.

Na also.

An dieser Wiese

wiese

Spürt man an dieser Wiese
Die allgemeine Krise?
Naja. Sie ist nicht wirklich grün.
Man sieht auch keine Blumen blühn
Vom Baumarkt gelb und rot.
Die Kabel: Eher Altertum.
Die Wolken: Drehn sich um und um.
Die Rollen: Durcheinander.
Ich wende mich und wander.

Die damalige Freundin

Um seine nächtlichen Ausflüge zum Kühlschrank, die vornehmlich der dringenden Beschaffung geistiger Getränke dienten, dokumentieren, bestrafen und letztlich unterbinden zu können, hatte Karl Gongs damalige Freundin auf allen Zugangswegen zum Kühlschrank Grützwurstfallen aufgestellt. Geriet er in eine dieser Fallen, was regelmäßig geschah, musste er am folgenden Morgen unter lärmendem Gezeter daraus befreit werden. Dies tat der Beziehung nicht besonders gut und führte schließlich zum Abbruch derselben.

In der Bibliothek

Ich betrat die Bibliothek und sah mich kurz darauf in eine unwürdige, beinahe physisch geführte Auseinandersetzung verwickelt. Den Packen ausgeliehener Bücher hatte man mir kommentarlos mit mürrisch hängenden Backen entrissen, verlangte aber eine erhebliche Summe “Mahngebühren” wegen “verspäteter Rückgabe.” Meine Einwände, dass die Bibliothek sowohl wochenlang unerwartet geschlossen als auch sonst überhaupt nicht erreichbar gewesen wäre, niemand hier je das Telefon, Telefax oder Emailliergerät zu benutzen schien und sich ansonsten in diesem Hause nur das Desinteresse an allem und jedem außer dem Einzug von Mahngebühren zu manifestieren schien, verpufften an den wie stets zur Schau getragenen abweisenden Mienen der Kohorte, die eilig herbeigerufen worden war, um mich notfalls mit Gewalt zur Strecke zu bringen. In höchstem Maße emotional angespannt, verlangte ich trotzdem nach dem Schuldigen, denn als solchen sah ich mich als allerletzten, und die Wortführerin brüllte tatsächlich über die Schulter nach hinten, zwei Subalterne polterten daraufhin finstere Treppen hinab, bis sich der Hall ihrer Schritte in Stille auflöste.

Nach Minuten angespannten Wartens, in denen die Kohorte mich anglotzte und auf eine falsche Bewegung lauerte, tauchte zwischen den beiden Zurückgekehrten ein kleines, hilfloses, blasses, verschrumpeltes Männlein auf, verängstigt, zitternd, mit hängenden Lidern und von Staub und Spinnweben bedeckt. Das war der Schuldige.

Erschüttert zahlte ich meine Mahngebühren und trollte mich, Hohngelächter der Kohorte im Rücken, dazwischen ein dünnes Schluchzen.

Kleine Großlager-Moritat

willyweise

Zuckerwaren-Großvertrieb!
Willy Weise hat dich lieb!
Noch nen Keks? Der geht aufs Haus.
Bald falln dir die Zähne aus.
Und du jammerst au-au-ao!
Willy Weise reicht Kakao:
Alles, sagt er, nicht so schlimm.
Nochn Schoki? Bitte, nimm,
Denn mein Lager ist so groß
Wie des bösen Schicksals Schoß.

Was ein Bild! Laut musst du lachen!
Und im Maul die Fähne krachen.

Pseudophilosophischer Exkurs für weniger Fortgeschrittene

schlangengrube

Das Leben als solches ist nie ganz ungefährlich. Aber mit ein wenig Vertrauen in die eigene Überlegenheit lässt es sich eigentlich ganz gut aushalten und durchziehen. Man muss nur an sich glauben und alles so machen, dass man hinterher sagen kann, dass man überhaupt nichts bereut, was so gewesen ist, und alles genau so wieder gemacht hätte, wenn man nochmal könnte. Das ist dann zwar langweilig, aber man weiß, wie es geht, und dass einem nichts passieren kann, weil man ja alles schon mal überstanden hat. Abgesehen vielleicht von dem Griff in die Schlangengrube.