Von der internationalen Solidarität

palast

Während der Westen den Indianern das wertvolle Land im Tausch gegen bunte Glasperlen entrissen hatte, wurde das Buntglas in der DDR zur kurzzeitigen Freude der Werktätigen als Schmuckelement in öffentlichen Gebäuden verbaut. Das funktionierte eine Weile, dann aber ging natürlich das Gemecker wieder los und die Werktätigen fragten, warum man denn nicht über Kolonien verfüge, aus denen man billig Kaffee, Kakao, Bananen, Rosinen und Arbeitssklaven ins triste Ländchen transferieren könne.

Von der Sicherheit beim Schlagen der Glocken

glockenfang

Hört die Glocken schlagen: Peng!
Dingeling und Deng-Deng-Deng!
Putten halten Krönchen fest,
Dass es nicht den Turm verlässt.
Links der Herr dagegen böse:
Sinnlos, dieses Rumgetöse!
Wird nur einer unten wach
Von dem ursten Höllenkrach?
Nö. Man latscht bedämmert hin:
Glockenklang ganz ohne Sinn.
Wenn doch nur der Klöppel träfe
Einen Ochsen an der Schläfe!
Doch dagegen: Maschendraht.
Achtsam ist die Mutti Staat.

Erste Gadsenphotographie der Welt aufgetaucht!

gadsengeometrie

Ist diese Photographie 100 Millionen Euro wert?

Beim aufgeregten Kramen in den Schuhkartons auf dem Dachboden seiner Ex-Geliebten, wo er eigentlich abgelegte und ihm selbst gewidmete handschriftliche Liebesnotizen derselben zu finden hoffte, um seinen novemberlichen Gemütszustand aufzuhellen und sein Selbstwertgefühl zu erhöhen, fiel dem Geisteswissenschaftler Karl Gong (Name nicht geändert) die oben abgebildete vergilbte Photographie in die Hand. Dabei handelt es sich zufolge einer hastig angestellten Internetrecherche um die älteste bislang aufgefundene Photographie einer Gadse, was natürlich auch die diversen Mängel am Objekt erklärt.

Es steht zu befürchten, dass die Geschichte der Gadsenphotographie (vgl. 20% des zugänglichen Internetvolumens) nun völlig neu geschrieben werden muss.

Polizeibericht

Gabelstapler umgekippt – Fahrer entwichen

ueberfuehrung 

Schöne Bahnüberführung (Polizei-Beispielfoto)

Gestern gegen elf Uhr morgens befuhr ein Angestellter des Getränkehandels A. Nitzsche mit höchstmöglicher Geschwindigkeit, die sich allerdings wegen diverser technischer Unzulänglichkeiten noch immer im gesetzlich erlaubten Rahmen befand, auf einem Gabelstapler die Schnellstraße in Richtung auswärtiges Umland. In Höhe der Abbiegung vor der Bahnüberführung fiel ihm auf, dass die Gabeln des Staplers, auf denen sich mehrere Bockbiergebinde unbekannter Herkunft befanden, maximal ausgefahren waren, was ein gefahrloses Passieren der Überführung voraussichtlich unmöglich machen würde. Nach eigenen Angaben “geistesgegenwärtig” riss der Fahrer zum Zwecke des Abbiegens in die nicht überführte Nebenstraße das Steuer herum, was zum sofortigen Umkippen des Gabelstaplers führte. Der Gabelstapler erlitt einen Totalschaden, welcher allerdings schon vor Fahrtantritt bestand. Der Fahrer blieb unverletzt, “war nicht schuld” und verlangte von den Beamten, “dem Chef nichts zu petzen”. Anschließend trank er die beim Umsturz unversehrt gebliebenen Flaschen in höchstmöglicher Geschwindigkeit aus und versuchte nach dem Aufrichten des Gabelstaplers, mit jenem die Flucht anzutreten, was aufgrund der Scherben, die die Reifen sämtlicher zur Verfolgung eingesetzten Streifenwagen perforierten, gelang. An sachdienlichen Hinweisen zeigen sich die Polizei-Dienststellen nicht interessiert, da alle Angestellten des besagten Getränkehandels bereits polizeibekannt sind.

Zum Feiertag

kirchenschiff

Ein Schiff, unsinkbar augenscheinlich,
Mit hohem Bug und Brückenhaus.
Der Kapitän, so glaubt man, kleinlich.
Der Smutje peitscht den Moses aus,
Schon ehe der was hat verbrochen:
Die Disziplin muss eisern stehn!
Sie fährt mit Liebe in die Knochen.
Der Kapitän hat’s nicht gesehn.

Oktober, deine Pracht

tor

Oktober, deine Pracht,
Vergeht nun endlich auch!
Karl Gong sitzt da und lacht,
Hält sich den dicken Bauch.
Schnell abwärts soll es gehen
Mit Wärme, Farbe, Licht,
Dann werdet ihr schon sehen!
Nee, sag ich, glaub ich nicht.

Ich sehe ziemlich schlecht,
Und eigentlich nur halb.
Steht vor mir mal ein Specht,
Denk ich, es ist ein Kalb.
Ich denke des Oktober:
Hab ihn ja kaum erkannt
In seiner Pracht! Herr Ober!
Reich er mir einen Brannt!

Der eine spielt verrückt,
Wenn sich das Jahr grau neigt.
Karl Gong erscheint beglückt,
Weil sich das Ende zeigt.
Wir stoßen auf den wehen
November klirrend an.
Soll kommen und soll gehen
Auch wieder irgendwann.

Singstück in drei Sätzen

spatzenfenster

Laut schallt des Vogels Sang.
Oh lieblich ist der Klang!
Dies war der erste Satz.
Ich rutsche auf dem Platz.

Der zweite Satz beginnt.
Wie zäh die Zeit verrinnt.
So schöne Melodie
Vernahm ich vorher nie.

Das Krächzen nun final:
Stumm zitternd sitzt der Saal.
Vollbracht der dritte Satz.
Applaus, adieu, Herr Spatz.

Er sitzt und tschiept und tschilpt.
Mein Ticket ist vergilbt
Vom Angstschweiß und mein Herz
Springt stotternd Terz um Terz.

Wer hat hier ungefragt
Laut “Zugabe” gesagt?
Ach, Sie warns, Fräulein Spatz?
Dann eben vierter Satz.

Regenbogen und Geisteswissenschaft

regenbogenstrasse

In rasender Fahrt durch die Landschaften, die diese Bezeichnung selten verdienten, schien doch immer wieder ein Licht durch den nie enden wollenden Regen überraschend dem Gong, Karl auf die Nase, so dass sie juckte; und die leichtsinnig vom Designer angebrachte Krümmung der Fahrzeugtür harmonierte aufs trefflichste mit der Krümmung des rätselhaft erzeugten Regenbogens (Karl Gong hatte NIE in Physik aufgepasst, weil er schon immer Geisteswissenschaftler werden wollte und somit die Naturwissenschaften als lässliches Übel ansah).

Wäre ich Bauer geworden, könnte ich das Ding gar nicht sehen, weil ich mit der Nase nach unten durch die Kartoffeln kriechen müsste, dachte sich Karl Gong zufrieden im röhrenden Dahingleiten; aber bitte: Welcher Bauer kriecht denn heutzutage noch durch die Kartoffeln?, und insofern muss man auch Gongs Eignung zum Geisteswissenschaftler stark in Zweifel ziehen.

Vom missverständlichen Hass

“Ich habe das ganze Haus gesaugt”, sprach Karl Gong, den heißgelaufenen Staubsauger in der Hand, aufgebracht zu seiner Gattin, und es klang, so gepresst hervorgestoßen, wie “Hass gesaugt”.

Die Gattin musterte ihn kühl von oben nach unten und retour, drehte dann ihre Augen in Richtung Decke und zog dabei elegant die hohen Schuhe an, die Karl Gong EXTRA jeden Tag putzen musste, auch wenn sie gar nicht in Gebrauch waren, wegen des Glanzes.

“Wer Hass saugt, wird Liebe ernten”, versetzte sie schließlich nach einiger Überlegung, während sie schon federnd davoneilte in Richtung Pediküranstalt, in halber Drehung apart eine Kusshand nach Karl Gong werfend, die dieser jedoch nicht mehr sehen konnte, wegen des Türrahmens, hinter dem sie verschwunden war.

“Jetzt nehme ich mir endlich den Hegel vor”, sprach Karl Gong, der Geisteswissenschaftler, leise zu sich, meinte aber eigentlich den angefangenen Whisky von der Fähre (steuerfrei).

Der Praxiteles-Test

praxiteles

Noch so ein Name, denkt sich Paul Kasel aus Golzig (Name geändert), der inzwischen von der Polykleitos-Plakette zur Praxiteles-Plakette weitergerückt ist, und er kann nun doch nicht anders, das Rätsel bohrt in ihm, er macht den Praxiteles-Test, er befragt die Volontärinnen im Telefon, wer oder was der Knabe auf der Plakette (Praxiteles) war, auch ohne WLAN, das kostet!, und siehe da, interessant, er blickt sich triumphierend um, denn er weiß, er ist im Augenblick (und für mehrere Tage, Wochen, Monate?) der einzige, der nach oben gesehen hat, geschweige denn etwas über diesen Praxiteles sagen könnte.

Ob die Volontärinnen allerdings korrekte Informationen bereitstellten, bleibt zu prüfen und ist eigentlich zweitrangig.

Polykleitos (Nachruhm)

polykleitos

Was nützt der Nachruhm als Name an einem Gebäude, so schön es auch ist, denkt Paul Kasel aus Golzig (Name geändert), wenn doch keiner weiß, was da steht, also wer, und mancher denkt sich vielleicht, da sollte wohl Polyklinik stehen, ist nur falsch geschrieben, und die Wiki-Volontärinnen im Telefon befragt man doch nur, wenn WLAN ist, und auch dann nicht, denn es müssen so viele Videos angesehen werden, und dann ist das WLAN aus oder gesperrt oder die Kraftwerke für das Internet sagen, für so einen Scheiß braucht doch kein Mensch dieses Internet, und man weiß nicht, ob die Kraftwerke die Videos oder Polykleitos meinen.

Wenn er derart unausgereifte und schwammige Gedanken in Paul Kasel aus Golzig (Name geändert) hervorruft, kann man auf den Nachruhm getrost verzichten.

Schnecken

schnecke

“Findet die Kunst an meiner Haustür statt, muss ich nur früh zum Bäcker gehen, nicht ins Musäum”, sagte Karl Gong, der Kunstfreund, zu seiner Frau. “Das ist praktisch.”

“Aber nur, wenn die Kunst schön ist”, sagte seine Frau. “Hässliche Kunst sollen sie mal schön im Musäum lassen, die Hunde!”

“Jaja,” sagte Karl Gong, “ist ja richtig”, und er war sich nicht sicher, ob er sich nun seiner Frau oder seinen Gedanken an die Kunst zuwenden sollte, woraufhin seine Frau, die das Zögern mit Hilfe ihrer extrem sensiblen weiblichen Fühler bemerkte, die Gelegenheit nutzte, in die Küche zu flüchten.

“Wir könnten doch mal wieder Schnecken backen, Frau, oder?” rief ihr Karl Gong nach, aber seine Frau antwortete nicht.