1: Trittbrettfahrer

Autoversicherung

Elf Monate lang hatte sich der Problembär den Kopf zermartert, ob er seine Autoversicherung kündigt, um ein wenig Kupfergeld einzusparen, ob er Teil-, Ganz-, Voll- oder Rüpelkasko einspart oder hinzubucht, ob die Mitbewohner das Fahrzeug mitbewohnen dürfen oder nicht und ob er eine Garage anschafft, um das Schmuckstück darin abzustellen, denn die Diebe wollen es ja auch warm haben, wenn sie den Wagen kurzschließen. Aber nun, endlich, ist erster (1.) Dezember, nichts geht mehr, Kündigungsfrist vorbei, man kann sich wieder den wesentlichen Dingen des Lebens widmen, für die immer noch genug Geld da ist, trotz alledem.

Die Büchse der Frau Dora

“Mach doch mal einen Adventskalender”, sagte N.

“Absenzkalender, hohoho”, sagte ich. “Das fällt aus. Wie der Name schon sagt.”

“Stell dich doch nicht so an! Einfach 24 numerierte, klitzekleine Beiträge über dies und das und jenes, Belanglosigkeiten wie sonst auch, besinnlich, humorvoll, mit einem Augenzwinkern und einer Prise Weisheit. Ist ja nun nicht DAS große Ding, oder?”

“Orr nee”, sagte ich. “Das ist doch die Büchse der Frau Dora!”

“Ich bringe dir einen Öffner”, sagte N.

An jenem Abend

Tischmond

In der Dorfzeitung stand, dass an jenem Abend der größte Vollmond des Jahrzehnts zu bewundern sei. Ich begab mich erwartungsfroh auf die Hochterrasse. Da war er schon, der Vollmond! Und riesig! Und siehe: Der Vollmond war eine Scheibe!

Deppen-Reimkunst

Wir sitzen im silbernen Wagen.
Das möchten wir dir hiermit erzählen.
Wir werden gleich dorthin fahren,
Wo wir schon einmal gewesen sind.

Und kommen wir jemals an,
Worin niemand sicher sein wird,
Dann ist es durch Zufall passiert:
Niemand hat je die Karte betrachtet.

Weiß, wer sein Bündel morgens schnürt,
Wohin ihn dann sein Schicksal leitet?
Der Ausgang ist doch völlig offen,
Man kann stets nur das beste erwarten.

Hart ist das Reisen wie das Leben!
Lasst uns darauf das Glas austrinken!
Es ist so hart wie ein Gedicht:
Mal reimt sichs, und mal reimt sichs eher weniger.

Der lyrische November in zwei Varianten

November

Die Sonne aus, der Regen an.
Die Lampen spiel’n Verstecken.
Nicht mal der müde Wandersmann
Mag auf der Bank sich strecken.

Die Nässe kriecht in Schal und Schuh.
Das Bier kriecht tief ins Glas.
Das alles bist, November, du.
Du machst mir keinen Spaß!

oder

Die Nässe kriecht in Schuh und Schal.
Das Bier kriecht tief ins Glas.
November, du, du kannst mich mal!
Ich weiß nur noch nicht, was.

“Destination Destiny”

Schiffbank

“Destination Destiny” (Beispielfoto)

Im Laufe einer durch verantwortungsvollen Alkoholkonsum unterstützten Konversation tauchte überraschend das Substantiv “Destiny” auf, und durch weiteres Herumspielen mit Stab- und Stockreimen und sonstwas meldete sich das verwandte (ebenfalls) Substantiv “Destination”, beides irgendwie englisch (nimmt man an), klingt beides gut, sogar richtig toll, besonders in der Kombination, und man beschließt, einen Popsong zu verfassen mit dem Titel “Destination Destiny”.

Cool!

Irgendein billiger Resttext mit einer billigen Melodie aus dem Smartfon wird sich schon noch finden, einfach zusammenhauen, aufnehmen, dann geht’s lous, der Ruhm!

Destination Destiny!

Spielverderber ist wie immer das Internet, in dem sich in der Abteilung Radio an die hundert völlig unbekannte Popsongs mit dem Titel “Destination Destiny” breitmachen.

Die Welt ist schlecht bzw. eine schlechte Kopie.