Genug gefaulenzt

“Das macht doch alles keinen Spaß mehr mit diesem Internet”, greinte der Autor. “Das ist doch komplett sinnlos bzw. blödsinnig. Ich mach da nicht mehr mit. So. Bäh!”

Karl Gong, eine Schöpfung des Autors, schaukelte in seinem klassischen Liegestuhl, den er allein durch Geisteskraft korrekt zusammengebaut bzw. auseinandergefaltet hatte, vor und zurück, und fixierte den Autor mit durchdringendem Blick. Dann hörte er auf zu schaukeln, lehnte sich nach vorn, fummelte beiläufig an seiner Nase herum und sagte: “Halts Maul und mach weiter.”

“Na gut”, sagte der Autor.

Gedanken zum Finale und überhaupt

Pumpe
Das Herz eines Fußballers muss sehr leistungsfähig sein (Beispielfoto)

Jeder, der zum Finale oder überhaupt immer nur auf dem Sofa herumliegt, die Pfandsumme der verbrauchten Getränkebehälter auszurechnen versucht bzw. nach den gebrannten Mandeln angelt, sollte sich im klaren darüber sein, dass zum Ausüben des Fußballsports MANCHMAL DURCHAUS hartes Training erforderlich ist, zum Beispiel, um das Blut in ausreichender Menge in die Waden zu pumpen (und zurück). Wie einfach ist man mit verächtlichen Bemerkungen über die sich abmühenden Spieler zur Hand, die durch nichts gerechtfertigt sind (die Bemerkungen)! Auch wer den Elfmeter oder sonst jeden Ball vorbeischießt, hat staunenden Respekt verdient ob seiner Physis, Körperbilder und Haarwellen, und welcher Zuschauer will schon wie beim Handballsport die Demütigung erleiden, dass er einfach mit Zählen nicht mehr nachkommt (mehr als zwanzig! je Mannschaft!). Da ist es doch schöner, man schläft in Ruhe unter dem Gemurmel des Kommentierenden seine 85 Minuten durch und es steht wie vorher null zu null.

“Aber eins wissen wir, liebe Zuschauer: Spätestens im Elfmeterschießen wird ein Tor fallen. Kicher-kicher.”

Wer’s glaubt.

Demenzi

Heute hab ich was gepläppert!
Alle rauften sich die Haare.
Schnell hat es sich dann geläppert:
An die tausend Kommentare.
Gleich noch werde ich Parölen
Frechen Grinsens repetieren,
Die die bösen Büben grölen.
Und es wird mich nicht genieren.
Anschließend fix demenziert:
Hab ich niemals so gesägt,
Nie gemeint, ward falsch zitiert,
Münd verrütscht, Gehürn verlägt.
Klinisch gaga? Keine Sörgen!
Provoblubbern weiter mörgen.

Aus der Serie “Schöne Orte”

Fabrik

Hinterwald: Brute Ensemble. Nur zwei Kilometer muss man laufen, um sich von der in- und auswendigen Betrachtung der Frauenkirche zu erholen. Nach erfolgreicher Erdung kann der um die Ecke plazierte Zapfhahn besucht werden, da stören dann auch die um diesen herum angebrachten Wandmalereien nicht mehr.

(Nur der regelmäßige Besucher weiß, was gemeint ist, hohoho! (Ein bisschen Geheimniskrämerei tut diesem “Internet” auch mal ganz gut.))

Neue Berufe

3dartist

Die bisher beim Massenpublikum relativ unbekannte Profession des 3D-Artist erfreut sich mittlerweile auch in Kleinstädten begeisterter Ausübung. Dies liegt nicht zuletzt am überschaubaren Werkzeug, das benötigt wird: Farbe, Pinsel, eine Leiter und ein unflacher Malgrund reichen. Das Erstaunen der Umstehenden gilt als Lohn der Mühe.

Ein Lied!

Die nachfolgende Ballade wurde vom Hofarbeiter des Getränkemarktes Adolf Nitzsche in Machern (man muss nur machern) verfasst. Man kann sich dazu eine Melodie vorstellen, wenn man kann.

Europameisterschaft im Getränkemarkt A. Nitzsche

Der Sicherheitsheini hat den Stapler umdribbelt
Und wäre – hochrot – beinah abgenibbelt.
Nun stürzt er zur Erfrischung aufs Klo.
So isser: Er scheut halt das Risiko.

Refrain:
Und ich?
Werd geschnitten von den Genossen,
Denn ich habe den Elfmeter verschossen!
Ich hab den Elfmeter kläglich vergeben,
Ich möchte nun nicht mehr weiterleben.
Obwohl ich mich vorher bekreuzigt hatte,
Traf ich nicht ins Tor, sondern den Pfosten.
Bäbbeln im Osten.

In der Sektabteilung steht unsere fesche
Marketing-Isa in Torfrauenwäsche.
Durch einen besonderen Voodoozauber
Hält sie den Kasten mit Schaumweinen sauber.

Refrain

Chef Nitzsche geht grimmig bis an seine Grenzen.
Man sieht ihn den Ball über Pfandflaschen schlenzen.
Die Kunden holt er rabiat von den Beinen,
Man sieht sie sich krümmen, fluchen und weinen.

Refrain

Der Schiedsrichter bläst, mit der Pfeife im Maul:
Für die rote Karte ist er gottlob zu faul.
Ein Fläschchen Champagner, und vorbeigeschrammt
Am Abpfiff durch das Gesundheitsamt.

Refrain

So geht es in die Verlängerung.
Ich erkämpfe den Ball mit einem Sprung
Vom Pfandautomaten in Nitzsches Genick!
Nachspielzeit, Tor, was ein feiner Kick!

Und ich?
Nun werd ich gefeiert von den Genossen,
Denn ich hab das entscheidende Törchen geschossen!
Frau Isa schüttelt frustriert ihre Matte.
Ich traf ins Tor und nicht an den Pfosten!
Bäbbeln im Osten.

Von den Konflikten

Karl Gong, pedalierend, neulich. Unterwegs mit der schönen Radlerin. Die vorletzte Ampel vor der Dusche. Grün leuchtet es. Ein entgegen kommender Linksabbieger schneidet frech, er muss auf den Acker vor der Stadt, wo das Häuschen steht. Und der nächste, sogenannter SUV, hässlich wie die Nacht mit Sternchen, macht bereits einen entschlossenen Sprung nach vorn, jedoch besinnt sich Elektronik oder Fahrer, Gong wird nicht untergemäht, nein, er bekommt Gelegenheit, das wichtigste Körperteil des Radfahrers vorzuzeigen: den Mittelfinger. Nimm das, Gefährder meiner Gesundheit, ach was, meines Lebens! Dem Menschen im SUV schmeckt das gar nicht, er kann aber nicht raus, kann nur durch die seitliche Schießscharte rufen: irgendwas mit Arschloch. Gong, zufrieden, hebt noch einmal den Arm, und das SUV passiert hinter ihm dann doch noch die Ampel dunkelrot. Darf der das denn? Und könnte man das nicht mal ausdiskutieren? Ganz entspannt? Grün, rot, geradeaus, links, zehn Kilo, zweitausend Kilo. Alles klar?